Fachdienst der Lebenshilfe – Mit Herz und Geduld: Kinder sollen mittendrin sein

Seit drei Jahren gibt es den Fachdienst für Schul- und Kindergarteninklusionen der Lebenshilfe Obere Nahe. Ein ganz wertvolles Angebot, das von Herz, Empathie, Geduld und Fürsorge getragen wird.

Der Fokus liegt immer auf dem Kind. Die größtmögliche Teilhabe in allen Bereichen, ob im Kindergarten oder in der Schule ist das wichtigste Ziel. „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ lautete das Credo. Mithilfe einer Anschubfinanzierung durch die Aktion Mensch gründete die Lebenshilfe Obere Nahe 2022 im Bereich der Offenen Hilfen den Inklusionsfachdienst für Schul- und Kindergarteninklusionen. Im Herbst 2022 wurde Claudia Junker als koordinierende Fachkraft eingestellt.

Die erste Phase des Projekts war geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit den rechtlichen Strukturen, der Erarbeitung von Verträgen, Formblättern und Arbeitshilfen. Eine Konzeption musste erstellt, Rahmenbedingungen beschrieben und Qualitätskriterien festgelegt werden.

Ziel des Inklusionsfachdienstes ist es, dass Kinder mit einer Beeinträchtigung wohnortnah den Kindergarten oder die zuständige Schule besuchen können. Denn nicht alle Kinder mit einer Beeinträchtigung benötigen einen Platz in einer Heilpädagogischen Einrichtung. Umso wichtiger ist es, dass die Kinder gut in Regeleinrichtungen eingebunden werden.

Kinder mit besonderem Bedarf sollen befähigt werden, so selbstständig wie möglich den Alltag zu bewältigen. So unterschiedlich wie die Kinder mit ihren Diagnosen sind, so unterschiedlich sind auch die Ziele, die von dem Kostenträger für das Kind vorgegeben werden. Diese Ziele sind die Grundlage des täglichen Tuns in der Arbeit der Inklusionsassistenzen.

Quereinsteiger willkommen

Dies gelingt nur mit fähigen Assistenzen. Doch auch hier gibt es Hürden. Wie überall im sozialen Bereich sind Fachkräfte Mangel. Somit greift der Inklusionsfachdienst auf Quereinsteiger zurück. Frauen und Männer mit persönlicher Befähigung haben so die Möglichkeit, eine Assistenz zu übernehmen. Die wichtigsten persönlichen Eigenschaften, die eine Assistenz mitbringen muss, sind Empathie, Geduld und die Fähigkeit, sich schnell auf neue Situationen einlassen zu können.

Jessica Martin ist seit einem Jahr bei der Lebenshilfe tätig und beschreibt ihre Aufgabe: „Inklusionsassistenz bedeutet für mich, Kinder im Schul- und Kindergartenalltag aufmerksam zu begleiten, ihnen Sicherheit und Struktur zu geben und sie zu unterstützen, selbstständiger zu werden. Sie bedeutet, Tag für Tag aufs Neue Kinder mit besonderen Bedürfnissen zu begleiten und sie in ihren Fähigkeiten zu bestärken, sie teilhaben zu lassen. Die Arbeit erfordert viel Herz, Geduld und Empathie, und sie schenkt genauso viel zurück.“ Sie habe sich für die Tätigkeit der Inklusionsassistenz entschieden, weil sie einen direkten positiven Einfluss auf das Leben der Kinder und deren Familien habe. Sie schenke Hoffnung, sie schenke Perspektiven, und sie schenke ihnen das gute Gefühl, gesehen, wertgeschätzt und verstanden zu werden. „Und sie schenkt mir selbst das gute Gefühl, einen essenziellen Beitrag zu leisten. Hier kann ich Menschen helfen, Hürden zu überwinden, sie zu bestärken und zu ermutigen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. Das ist für mich der wertvollste Aspekt dieser Arbeit und der Grund, warum ich sie mit Leidenschaft und Herz ausübe.“

Gabi Gräf ist seit 2023 als Inklusionsassistentin bei der Lebenshilfe: „Die Arbeit als Inklusionsassistenz ist für mich mehr als nur ein Arbeitsplatz im sozialen Bereich, vielmehr ist es für mich ein echtes Herzensprojekt, für das ich mich jeden Schultag mit Leidenschaft, Respekt und Überzeugung einsetze.“ Das Arbeitsfeld Inklusionsassistenz im schulischen Bereich sei abwechslungsreich und gleichzeitig anspruchsvoll, denn die Unterstützung orientiere sich an den Bedürfnissen des Bezugsschülers: „Daher benötige ich viel Geduld, Flexibilität und manchmal auch etwas Improvisationstalent, um den Schüler gut durch den Tag zu begleiten. Jeder Schultag ist eine positive Erfahrung für mich und meinen Bezugsschüler und motiviert uns, weiter unseren Weg gemeinsam zu gehen.“

Aber auch die Eltern der Kinder brauchen Begleitung und oftmals Beratung. Dies sei ebenfalls wichtiger Leistungsbaustein des Dienstes. Vom Erstkontakt bis zum Ende der Maßnahme werden Eltern und Erziehungsberechtigte begleitet. Die Inklusionsassistenz sei für die Eltern ein wichtiger Ansprechpartner. Die Beziehung zwischen Kind, Eltern und Inklusionsassistenz sei essenziell.

Bettina (Nachname bekannt), Pflegemutter eines Kindes, betont: „Ein herzliches Dankeschön an die Lebenshilfe Idar-Oberstein. Für unser Pflegekind bedeutet der Schulalltag oft eine große Herausforderung – umso mehr wissen wir zu schätzen, wie wertvoll die Unterstützung durch die Lebenshilfe Obere Nahe ist. Dank der engagierten und einfühlsamen Inklusionskraft, die uns zur Seite gestellt wurde, ist eine verlässliche Begleitung im Schulalltag möglich. Ohne diese Unterstützung wäre vieles nicht leistbar – für unser Kind, aber auch für uns als Pflegeeltern.“

Ansprechbar für Kitas

Die Schulen und Kindertagesstätten, die die Kinder täglich besuchen, sind ebenfalls wichtige Kooperationspartner. Gute Kontakte und Kommunikation untereinander sind wichtiger Bestandteil. Unterstützung und Beratung seien hierbei die maßgeblichen Aufgaben. Es sei wichtig, dass eine gute Kooperation mit den Einrichtungen gepflegt werde. Die Aufgaben und Zuständigkeiten müssen im Vorfeld klar formuliert werden, denn nur so könnten alle Beteiligten profitieren, betonen die Expertinnen.

Stefanie Jung, Leiterin der evangelischen Kita Regenbogen, berichtet: „In unserer Kindertagesstätte wird seit September 2024 ein Kind über die Lebenshilfe Obere Nahe betreut. Durch Gespräche und Kennenlernen im Vorfeld konnte die Inklusion gut starten. Besonders wertvoll hierbei war die vertrauensvolle Zusammenarbeit der Inklusionsassistenz mit dem Kind, dem gesamten Team und auch der Mutter des Kindes.“ Positiv zu erwähnen sei auch, dass die Kindertagesstätte jederzeit eine Ansprechpartnerin beim Inklusionsfachdienst habe.

„Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass die Kinder und Jugendlichen gut begleitet werden.“

– Koordinatorin Claudia Junker

Für Kinder sei die Beeinträchtigung oder das Anderssein oftmals nicht sicht- oder spürbar. „Sie unterscheiden nicht aus eigenem Antrieb, sondern übernehmen die Meinungen und Haltungen ihrer Bezugspersonen und aus ihrem Umfeld. Wertvorstellungen und Vorurteile werden durch soziale Kontakte und Netzwerke, Werbung und Fernsehen geprägt. Umso wichtiger ist es, dass Kinder mit und ohne Beeinträchtigung in Kindertageseinrichtungen und Schulen gemeinsam spielen und lernen“, betont Junker. Kinder sollten Vielfalt als Bereicherung und Chance erleben. Dabei sei es wichtig, dass Strukturen geschaffen würden, die die Kinder und Jugendlichen – ganz gleich, ob mit oder ohne Beeinträchtigung – anregen, gemeinsam zu lernen, zu spielen und ihr Umfeld zu entdecken.

Junker kommentiert: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass die Kinder und Jugendlichen gut begleitet werden. Die Kinder sollen die Chance erhalten, in der Mitte der Gemeinschaft zu sein. Inklusion bedeutet für mich, dass alle Menschen die gleiche Chance erhalten. Es ist gleich, ob sie eine Beeinträchtigung haben, welche Hautfarbe sie haben oder aus welchem Land sie kommen. Wichtig für mich ist, dass sie jeden Tag auf Neue erleben, wie einzigartig und geschätzt sie sind.

Empathie gefordert

Die Herausforderung bei der Inklusion bestehe darin, die unterschiedlichen Bedingungen, die das Kind mitbringt, als Chance der Vielfalt und Ressource für den Alltag zu nutzen. Das bedeutet, zu sehen, dass das Kind mit seinen Stärken und auch Schwächen die Gemeinschaft bereichern kann: „Es gilt, Möglichkeiten zu finden, um Barrieren zu überwinden. Das inklusive Arbeiten soll nicht als Mehrarbeit gesehen werden, sondern sich nach und nach zur inklusiven Haltung entwickeln. Nicht das einzelne Kind muss integriert werden, sondern ein inklusives Miteinander soll entstehen. Indem jeder seine Berechtigung hat.“ Man sei immer auf der Suche nach geeignetem Personal, das Empathie und Einfühlungsvermögen mitbringe, um sich auf diese Tätigkeit einzulassen. Quereinsteiger seien jederzeit willkommen.

Informationen: Tel. 06781/5080410, E-Mail claudia.junker@lhio.de

Quelle: Nahe Zeitung

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